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Die Regisseurin Anna Justice erzählt in “Die verlorene Zeit” eine unkonventionelle Liebesgeschichte. Denn Protagonisten des Films sind zwei Auschwitz-Flüchtlinge, die deutsche Jüdin Hannah Silberstein und des polnischen KZ-Kapos Tomasz Limanowski.
Der Film wird in Rückblenden erzählt. Mittlerweile lebt Hannah mit ihrem Mann in New York, im Jahr 1976. Alice Dwyer, die Hannah spielt, lässt ihre Figur vom Selbstschutz erkaltet und unnahbar auftreten. Sie spricht kein Deutsch mehr. “Impossible. Did you notice, my love, that I almost never use that word?”, schreibt Hannah auf Englisch. Doch dann sieht sie den totgeglaubten Tomasz Limanowski in einer Fernseh-Talkshow und die Erinnerungen treten aus der Verdrängung hervor. Die Ereignisse im Jahr 1944 lassen Hannah nicht mehr los und sie beginnt, nach Tomasz zu suchen.
Damals flüchteten die beiden in das Elternhaus von Tomasz, doch seine verbitterte Mutter will die Jüdin aus Selbstschutz nicht aufnehmen. Die Kameraführung ist nervös, wie im Lager. Die Atmosphäre ist beklemmend, der Zuschauer entwickelt Verständnis für die einzelnen Charaktere. Denn unter Todesangst entstehen seltsame Freundschaften, aber auch Feindschaften, die Schwachen intrigieren gegen die noch Schwächeren, der Mensch bleibt in Extremsituationen Mensch, zeigt das Beste und das Schlechteste. Die einzige Schwäche des Films findet sich hier, denn das Handeln der Personen überrascht nicht, alles ist nachvollziehbar. Andererseits muss das Verständnis für diese Charaktere, die so viel durchmachen, auch endlos sein.
Zurück in die Filmgegenwart: Es gelingt Hannah tatsächlich, die Telefonnummer eines Tomasz Limanowski in Polen rauszufinden. Der Film hört leider viel zu früh auf, denn der Mann am anderen Ende der Leitung behauptet: “Hannah Silberstein ist tot.”
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